Historie & Tradition

Gut und Dorf Willershausen im Ringgau

Aus der Entfernung für den Reisenden zunächst kaum sichtbar liegt Willershausen am Südhang eines Bachtals, das von der Werra her, Richtung Westen, in das Hochland des Ringgau hineinzieht.

Geistliche und weltliche Herrschaft zu Willershausen waren bis zur Reformation Lehen der Reichsabtei Fulda, Lehensnehmer seit dem 14. Jahrhundert die aus dem fuld´ischen stammende Familie Treusch von Buttlar. Ihre Niederungsburg zu Willershausen entstand einst in der Bachaue unterhalb der Dorfkirche. Die heute noch umgangssprachlich so genannte "Schloßgasse" verbindet Kirche und Schloß auf kürzestem Wege. Die überbauten Fundamente lassen die Ausmaße der vielfach überformten Anlage erahnen. Erhalten sind das Alte Gutshaus, belegt seit 1591: ein mehrgeschoßiger Fachwerkbau auf Feldstein-Unterbau. Außerdem Türme, Teile des Grabens und der Mauer.

Im 16. und 17. Jahrhundert versuchen die Treusche von Buttlar und benachbarte Familien zwischen sächsischer und hessischer Obrigkeit zu lavieren. Der fortschreitende Territorialisierungprozeß im Reichsgebiet läßt aber bald keine Alternative mehr zur Mediatisierung.
Zeitweise sind gute Beziehungen zur Krone Schweden wie zum Kaiser überlebenswichtig. Trotzdem trifft der 30-jährigen Krieg auch Willershausen.
Umfangreiche Umbauten an der Schloßanlage begannen nach der Zerstörung. Schlußsteine an Wohngebäuden berichten von der Dauer dieser Arbeiten bis 1693 bzw. 1731.

Besonders interessant ist der Bezug zu Friedrich von Schiller und der Entstehungsgeschichte seiner "Räuber”: Familienzwistigkeiten in der Familie von Buttlar auf Rittergut Willershausen, um 1730/40, dienten Schiller als Anregung und Hintergrund zu seinem Drama.

Weitere Bauaktivität, im klassizistischen Stil, setzt um 1800 ein: Freiherr von Kutzleben-Freienbessingen hatte eingeheiratet. Unter Einbeziehung eines spätgotischen Wehrturms entsteht das Neue Gutshaus als verputzter Fachwerkbau.

Veränderungen in der Landwirtschaft bewegen in den 1890ern die damaligen Eigentümer, die Landgrafen von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, zur Modernisierung der Wirtschaftsgebäude.
Dann ruht der Gutshof für Jahrzehnte - nicht zuletzt bedingt durch die Lage an der innerdeutschen Grenze seit 1945.

1992 wagen neue Eigentümer, Familie Glas, eine grundlegende Neuausrichtung Gut Willershausens:

Ergänzend zum land- und forstwirtschaftlichen Betrieb liegt seither in reizvoller, intakter Mittelgebirgslandschaft die Golfanlage Gut Willershausen, landschaftsintegriert inmitten
sanfter Hügel und kleiner Täler, gesäumt von Mischwald und Gehölzen - Blickpunkt und Hindernis in einem.

Kunst & Drama, Tagungen und Ferien runden die Angebotspalette an diesem traditionsreichen Ort.


Direkt in der Dorfmitte, gleichsam auf einer Stufe im Hang, steht "Unsere Liebe Frau", Pfarrkirche im Kirchspiel Willershausen - Archfeld - Markershausen - Frauenborn. Der Innenraum der dreischiffigen Hallenkirche ist seit der grundlegenden Renovierung 1964 zurückgeführt auf den spätgotischen Ursprung. Bis auf die Fenster sind die Eingriffe des 19. Jahrhunderts sowie die Einbauten, die für Gottesdienst und Ständegesellschaft seit der calvinistischen Reformation nötig wurden, entfernt.
Geblieben sind die Kanzel aus dem Jahr 1567, Konsol- und Schlußsteine sowie ein hölzernes Epitaph von 1705 mit reicher Waffentrophäe, alles versehen mit Wappen der ehemaligen Kirchenpatrone Treusch von Buttlar.

Die Gruft der ehemaligen Patrone ist seit der Renovierung vermauert, das Westportal durch die Orgel verstellt, so daß der Kirchenraum heute durch einen Seiteneingang an der Südseite erschlossen wird.

Der heutige Kirchturm wurde erst 1748 über dem Sakristeigebäude, an der SO-Ecke, aufgerichtet. Dieser bauliche Eingriff droht heute die Kirche zum Einsturz zu bringen.

Das Kircheninnere beeindruckt durch Wandmalereien sowie Stern- und Netzgewölbe, ruhend auf schlanken Rundpfeilern um die sich spiralisch halbrunde Stäbe winden. Der Bau an sich scheint zu groß für die Gemeinde, so daß sich die Frage stellt für welche Aufgaben das Bauwerk einst dimensioniert wurde.
Überlieferte Pilgerzeichen belegen für das 15. Jahrhundert eine Wallfahrt zur Willershausener Marienkirche, nach dem Vorbild derjenigen zur "Schmerzensmutter von Loreto". Die Treusche von Buttlar förderten wohl die Wallfahrt. In den 1460ern holten sie sogar Serviten-Mönche aus KLoster Mariengart bei Vacha, um ein Kloster zu Willershausen zu gründen.

Wasserburg Willershausen und Rittergut

Mitte 2009 hat der Golf Club Gut Willershausen e. V. ca. 300 Mitglieder.

> 2003 aufwendige Renovierung der Theaterscheune am ehemaligen Burggraben;

> seit 2001 regelmäßig
Adaption von Schillers "Die Räuber" am historischen Ort

> 2001 und 2000
Sanierung der Gebäude am Willershausener Schafberg: Eröffnung des "Regionalen Kommunikationszentrum Schafberg Willershausen"
- Golf Club Gut Willershausen e. V.
- lokale Vereine
Betreiber: GENIUS LOCI - Kulturforum Gut Willershausen

> 1999
Sanierungsarbeiten am Neuen Gutshaus in der Wasserburg Willershausen

GENIUS LOCI - Kulturforum Gut Willershausen initiiert weltweit größtes Landart- Projekt auf 360.000 m²GENIUS LOCI - Kulturforum Gut Willershausen e. V.

> seit 1998 Symposien zur Geschichte und Kultur im Kontaktraum Hessen-Thüringen im Mittelalter

> 1997: Gründung des Golf Club Gut Willershausen e. V.

> ab 1993 Projektierung der Golfanlage Gut Willershausen

> 1992 Renovierungsbeginn am Alten Gutshaus in der Wasserburg Willershausen
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